Ein Depot, zwei Tische
In meinem letzten Blogeintrag habe ich von 40 auf 120 gesprochen. 40.000 Euro waren etwas gerundet, heute schaue ich genauer hin. Auf meinen Ausgangspunkt auf dem Weg zu 120.000 Euro: Was liegt eigentlich im Depot, was kommt an Dividenden herein – und wie könnte daraus nach und nach ein kleines Börsenexperiment entstehen?
Bis vor kurzem hätte ich wahrscheinlich einfach gesagt: Ich habe ein Depot.
Das stimmt auch weiterhin. Nur merke ich gerade, dass darin inzwischen zwei ziemlich unterschiedliche Ideen wohnen.
Die eine soll möglichst ruhig Vermögen aufbauen. Die andere darf etwas neugieriger sein.
Zeit also, die Tische auseinanderzustellen. Zumindest gedanklich.
Einmal genauer hingeschaut
Heute liegen Wertpapiere im Wert von 43.193,60 Euro in meinem Depot. Dazu kommen 91 Euro Guthaben.
Das ist keine vollständige private Vermögensaufstellung. Es ist der Teil, über den ich auf f1nanc3 schreibe.
Und es ist eine Momentaufnahme. Bis ich den nächsten Kaffee getrunken habe, hat die Börse vermutlich schon wieder eine Meinung dazu.
Was heute im Depot liegt
Aktuell liegen 27 unterschiedliche Titel in meinem Depot. Die Liste ist nach dem aktuellen Depotwert sortiert.
| Wertpapier | Bereich | Einstand EUR | Wert EUR | Gewinn / Verlust EUR | Seit Kauf | Gewicht |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Omega Healthcare | Immobilien-REIT | 3.008,95 | 4.296,72 | +1.287,77 | +42,8 % | 9,9 % |
| Texas Instruments | Technologie | 1.966,77 | 3.294,20 | +1.327,43 | +67,5 % | 7,6 % |
| PepsiCo | Basiskonsum | 4.043,88 | 2.967,70 | −1.076,18 | −26,6 % | 6,9 % |
| Ares Capital | BDC / Privatkredite | 2.508,67 | 2.285,21 | −223,46 | −8,9 % | 5,3 % |
| Fastenal | Industrie / Handel | 1.441,48 | 2.266,00 | +824,52 | +57,2 % | 5,2 % |
| Johnson & Johnson | Gesundheit | 1.445,93 | 2.212,18 | +766,25 | +53,0 % | 5,1 % |
| DHT Holdings | Tankschifffahrt | 906,15 | 2.202,00 | +1.295,85 | +143,0 % | 5,1 % |
| Realty Income | Immobilien-REIT | 2.324,14 | 2.178,00 | −146,14 | −6,3 % | 5,0 % |
| Allianz | Versicherungen | 970,00 | 2.098,75 | +1.128,75 | +116,4 % | 4,9 % |
| Main Street Capital | BDC / Privatkredite | 1.591,58 | 1.975,98 | +384,40 | +24,2 % | 4,6 % |
| AbbVie | Gesundheit | 1.038,88 | 1.974,40 | +935,52 | +90,1 % | 4,6 % |
| IBM | Technologie | 1.300,00 | 1.934,72 | +634,72 | +48,8 % | 4,5 % |
| Hercules Capital | BDC / Privatkredite | 1.924,87 | 1.695,33 | −229,54 | −11,9 % | 3,9 % |
| Amazon | Handel / Cloud | 846,46 | 1.640,80 | +794,34 | +93,8 % | 3,8 % |
| Coca-Cola | Basiskonsum | 1.116,15 | 1.572,40 | +456,25 | +40,9 % | 3,6 % |
| NextEra Energy | Versorger | 1.449,35 | 1.531,19 | +81,84 | +5,6 % | 3,5 % |
| McDonald’s | Gastronomie | 1.402,70 | 1.191,54 | −211,16 | −15,1 % | 2,8 % |
| Acadian Timber | Forstwirtschaft | 1.139,73 | 1.060,00 | −79,73 | −7,0 % | 2,5 % |
| BYD | Elektromobilität | 1.574,09 | 1.045,83 | −528,26 | −33,6 % | 2,4 % |
| Novo Nordisk | Gesundheit | 597,99 | 799,11 | +201,12 | +33,6 % | 1,9 % |
| AGNC Investment | Hypotheken-REIT | 794,47 | 775,00 | −19,47 | −2,5 % | 1,8 % |
| LyondellBasell | Chemie | 748,31 | 696,13 | −52,18 | −7,0 % | 1,6 % |
| Solventum | Gesundheit | 355,34 | 390,00 | +34,66 | +9,8 % | 0,9 % |
| Sixth Street Specialty Lending | BDC / Privatkredite | 500,00 | 389,58 | −110,42 | −22,1 % | 0,9 % |
| Amundi S&P 500 ETF (ausschüttend) | US-Aktien-ETF | 287,35 | 346,75 | +59,40 | +20,7 % | 0,8 % |
| Münchener Rück | Versicherungen | 175,00 | 258,91 | +83,91 | +47,9 % | 0,6 % |
| VanEck Developed Markets Dividend ETF | Dividenden-ETF | 117,46 | 115,17 | −2,29 | −1,9 % | 0,3 % |
| Gesamt | 35.575,70 | 43.193,60 | +7.617,90 | +21,4 % | 100,0 % |
Stand 11.10.26, Kurse vom 09.10.26.
Unterm Strich stehen damit 7.617,90 Euro Kursgewinn gegenüber dem Einstand. Rund 21,4 Prozent.
Das freut mich. Es ist allerdings nicht meine Rendite für dieses Jahr. Die Aktien liegen unterschiedlich lange im Depot, Dividenden fehlen in dieser Zahl und frühere Verkäufe ebenfalls.
Eine hübsche grüne Zahl ist schön. Die ganze Geschichte erzählt sie noch nicht.
Nicht jede Position macht gerade dasselbe
Texas Instruments, DHT, Omega und Allianz haben ordentlich zum Kursplus beigetragen. PepsiCo und BYD liegen dagegen deutlich unter meinem Einstand.
Das ist für mich zunächst ein Anlass, genauer hinzusehen. Kein automatischer Einkaufszettel und auch keine fertige Verkaufsliste.
Interessanter finde ich die Verteilung: Omega ist mit knapp zehn Prozent meine größte Position. Und ein gutes Stück meines Depots steckt in Immobiliengesellschaften und Finanzierern, von denen ich Ausschüttungen bekomme.
Das passt zu meiner Dividendenidee. Es heißt aber auch, dass viele Namen in einer Tabelle nicht automatisch viele voneinander unabhängige Risiken bedeuten.
Ich möchte deshalb bei den nächsten Entscheidungen etwas genauer fragen: Welche Aufgabe hat dieser Titel eigentlich noch in meinem Depot?
Und was kam an Dividenden herein?
Im letzten Artikel habe ich schon geschrieben, dass die Kursentwicklung bei Dividendenaktien nur einen Teil der Geschichte erzählt. Hier kommt nun der andere Teil: das Geld, das auf dem Konto angekommen ist.
Für 2026 stehen bisher 1.529,39 Euro Dividendenzuflüsse mit Wertstellung in diesem Jahr in der Auswertung, nach Abzug der zugehörigen Stornos. Nachträgliche Steuerkorrekturen sind darin nicht enthalten.
Anfang Oktober lag der Stand noch bei 1.446,01 Euro. Seitdem sind weitere 83,38 Euro dazugekommen. Die Monatsverteilung nach Buchungsdatum sieht so aus:
| Monat 2026 | Nettozufluss EUR | Stand |
|---|---|---|
| Januar | 127,45 | |
| Februar | 174,35 | |
| März | 103,23 | |
| April | 185,64 | |
| Mai | 291,30 | |
| Juni | 97,42 | |
| Juli | 178,00 | |
| August | 218,18 | |
| September | 70,44 | |
| Oktober | 83,38 | bis 9. Oktober |
| November | — | noch nicht erfasst |
| Dezember | — | noch nicht erfasst |
| Bisher insgesamt | 1.529,39 |
Stand 11.10.26.
Mai war bisher der stärkste Monat. September deutlich ruhiger. Das liegt nicht nur an unterschiedlichen Zahlungsterminen; auch spätere Korrekturen können die Monatszahlen verschieben.
Von Januar bis September kamen nach dieser Rechnung durchschnittlich rund 161 Euro im Monat zusammen.
Mein langfristiges Ziel bleibt mindestens 5.200 Euro im Jahr. Im Durchschnitt 100 Euro pro Woche. Mit den bisher gebuchten 1.529,39 Euro sind rund 29 Prozent dieses Jahresbetrags zusammengekommen.
Da liegt also noch ein Stück Weg vor mir. Die 100 Euro müssen dabei nicht jeden Freitag pünktlich vor der Tür stehen. Mir geht es um zusätzliches Einkommen über das Jahr – nicht darum, meinen Kalender mit Dividendenterminen zu tapezieren.
Tisch 1: Das Fundament
Der größte Teil meines Depots soll weiter langfristig arbeiten. Gute Unternehmen finden, regelmäßig investieren, Dividenden wieder anlegen und möglichst wenig Unsinn machen.
Das klingt erstaunlich unspektakulär. Vielleicht ist genau das der Vorteil.
Die Größenordnung von rund 40.000 Euro bleibt dafür mein gedanklicher Ausgangspunkt. Daraus sollen über die kommenden Jahre irgendwann 120.000 Euro werden.
Nicht bis nächsten Donnerstag. Und auch nicht mit dem Anspruch, dass auf dem Weg jeder Monat nach Plan laufen muss.
Tisch 2: Das Börsenexperiment darf wachsen
Für das Börsenexperiment habe ich bis zu 5.000 Euro im Kopf. Das heißt nicht, dass dieses Geld heute schon fertig neben dem Depot liegt. Und es heißt auch nicht, dass ich jetzt auf einen Schlag Aktien für 5.000 Euro verkaufen muss.
Ich kann mich dahin entwickeln.
Vielleicht beginnt das Experiment mit einem kleineren Betrag. Vielleicht kommt später etwas aus neuen Einzahlungen dazu. Vielleicht passt irgendwann eine Umschichtung, weil ich eine Position ohnehin kleiner machen möchte.
Das werde ich entscheiden, wenn es konkret wird. Die Zahl 5.000 ist ein Rahmen, kein Termin beim Gerichtsvollzieher.
Die Tabellen helfen mir dabei. Sie zeigen, wo viel Geld steckt, welche Positionen zum Einkommen beitragen und wo ich meine Entscheidungen noch einmal durchdenken möchte.
Sie nehmen mir die Entscheidung aber nicht ab.
Für das Experiment möchte ich vor jedem Kauf aufschreiben, warum ich kaufe, wie viel ich einsetze und was mich später wieder zum Ausstieg bewegen würde. Mit begrenztem Geld und ohne die Erwartung, daraus über Nacht 80.000 Euro zu machen.
Das wäre zwar ausgesprochen praktisch. Die Börse hat allerdings die unangenehme Angewohnheit, bei meinen Wünschen nicht vorher nachzufragen.
Warum überhaupt ein Experiment?
Weil zwischen 40.000 und 120.000 Euro ziemlich viel Landschaft liegt. Ich werde weiter sparen, Dividenden wieder anlegen und Zeit wirken lassen.
Mich interessiert zusätzlich, ob sich mit einem kleinen, bewusst begrenzten Chancenbudget etwas Sinnvolles ausprobieren lässt, ohne dass ich dabei das Fundament aus dem Blick verliere.
Darauf kenne ich heute keine Antwort. Genau deshalb möchte ich das Experiment nicht erst beschreiben, wenn es gut gegangen ist.
Ich beginne vorher. Mit einer Idee, einem überschaubaren Anfang und echten Entscheidungen. Was daraus wird, gehört später ebenfalls hierher.
Und wenn das Leben dazwischenkommt?
Dann kommt es dazwischen. Vielleicht kann ich einen Monat mehr investieren, einen anderen gar nichts. Vielleicht braucht das Geld plötzlich eine vernünftigere Aufgabe.
Das Depot soll meinem Leben dienen. Nicht mein Leben dem Depot.
Deshalb sind die beiden Tische für mich eine Orientierung. Kein Versprechen, dass ab heute jeder Euro für immer denselben Stuhl behält.
Der Stand heute
Ich habe jetzt einen genaueren Blick auf mein Depot: gut 43.000 Euro in Wertpapieren, ein Kursplus gegenüber dem Einstand und bisher rund 1.500 Euro gebuchte Dividendenzuflüsse in diesem Jahr.
Der große Teil bleibt mein langfristiges Fundament. Daneben darf nach und nach ein Börsenexperiment mit einem Rahmen von bis zu 5.000 Euro entstehen.
Das große Ziel bleibt 120.000 Euro. Wie schnell ich dort ankomme, weiß ich nicht. Was aus dem Experiment wird, ebenfalls nicht.
Sehr beruhigend. Sonst hätte ich ja nichts mehr zu schreiben.
Das Ziel ist klar. Der Weg noch nicht.
Carl
← Zum Blog