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Was wurde eigentlich aus den 13?

Als ich f1nanc3 gestartet habe, hatte ich einen ziemlich einfachen Plan.

Ich wollte regelmäßig Dividenden bekommen. Am liebsten so regelmäßig, dass gefühlt jede Woche irgendwo ein paar Euro auf dem Konto landen.

Mein Ziel dahinter war ziemlich konkret: irgendwann ungefähr 100 Euro pro Woche als zusätzliches Einkommen zu erreichen.

Also habe ich gerechnet.

52 Wochen geteilt durch 4 Ausschüttungen im Jahr.

13 Unternehmen.

So einfach war die Idee.

Natürlich war mir schon damals klar, dass das kein mathematischer Zaubertrick ist. Unternehmen zahlen nicht exakt passend zu meinem Kalender aus, Dividenden können gekürzt werden und eine hohe Ausschüttung macht noch lange keine gute Aktie.

Aber als Grundidee mochte ich die 13.

Sie gab meinem damals ziemlich wilden Depot überhaupt erst einmal Struktur.

Und wenn ich heute meinen ersten Text noch einmal lese, fällt mir dabei ein kleines, aber wichtiges Wort auf:

Ich wollte mindestens in 13 Unternehmen investieren.

Nicht genau 13.

Die 13 waren also nie als Obergrenze gedacht. Eher als mathematisches Mindestgerüst.

Und jetzt, ein paar Jahre später, stellt sich die ziemlich naheliegende Frage:

Was wurde eigentlich daraus?

Die kurze Antwort lautet:

Aus 13 wurden ziemlich schnell 39.

Das klingt zunächst ein bisschen so, als hätte ich die Kontrolle verloren.

Ganz so war es allerdings nicht.

Diversifikation gehörte von Anfang an zur Idee. Ich wollte mein Geld nicht auf ein paar wenige Unternehmen verteilen und anschließend hoffen, dass keines davon Unsinn macht.

Verschiedene Branchen, unterschiedliche Geschäftsmodelle und mehrere Dividendenzahler sollten das Risiko breiter verteilen.

Oder weniger elegant gesagt:

Nicht alle Eier in einen Korb.

Und dann kam natürlich noch etwas hinzu.

Je mehr ich mich mit Unternehmen beschäftigte, desto mehr fand ich, die irgendwie interessant aussahen.

Hier noch eine gute Dividende.

Dort ein Geschäftsmodell, das mir gefiel.

Dann noch ein Unternehmen aus einer Branche, die im Depot bisher fehlte.

Und schwupps waren aus dem schönen Plan mit 13 Unternehmen 39 geworden.

Offenbar hatte ich bei der Zahl 13 etwas weniger Disziplin als gedacht.

Die längere Antwort ist aber interessanter.

Denn aus der ursprünglichen Dividendenidee ist inzwischen ein ganzes Depotleben geworden.

Einige Titel sind geblieben.

Andere sind wieder verschwunden.

Manche waren gute Entscheidungen.

Bei anderen würde ich heute vermutlich lieber behaupten, mein Nachbar hätte sie gekauft.

Und dann kam noch etwas hinzu, das sich in keiner Excel-Tabelle so richtig abbilden lässt:

Das Leben.

Mein ursprünglicher Plan war ziemlich ambitioniert.

Möglichst regelmäßig investieren, am besten jeden Monat ordentlich Geld zur Seite legen und das Depot wachsen sehen.

In der Theorie klingt das wunderbar.

In der Praxis funktioniert es eben nicht jeden Monat.

Mal kostet das Leben mehr.

Mal gibt es wichtigere Dinge.

Mal möchte oder muss ich Geld ausgeben, das vorher eigentlich für die Börse gedacht war.

Und irgendwann habe ich gemerkt:

Es ist ziemlich bescheuert, sich darüber zu ärgern, dass man seine geplanten 1.300 Euro Sparrate nicht schafft – während auf dem Girokonto gleichzeitig der Dispo läuft.

Zehn Prozent Sollzinsen zahlen, damit ich möglichst fleißig Aktien kaufen kann, wäre jedenfalls eine eher kreative Form der Vermögensbildung.

Also habe ich auch verkauft.

Nicht immer, weil ich von einem Unternehmen plötzlich nichts mehr gehalten hätte.

Manchmal schlicht, weil das Geld an anderer Stelle sinnvoller gebraucht wurde.

Und das ist vermutlich eine der wichtigeren Erkenntnisse der letzten Jahre:

Das Depot soll meinem Leben dienen. Nicht mein Leben dem Depot.

Ich baue dieses Depot nicht für den Blog auf.

Ich plane damit ein Stück zusätzliche Rente, etwas mehr Freiheit und vielleicht irgendwann ein bisschen mehr Gelassenheit.

Die 100 Euro pro Woche waren dabei nie nur eine hübsche Zahl. Sie waren eine greifbare Vorstellung davon, was so ein zusätzliches Einkommen im Alltag bedeuten könnte.

100 Euro pro Woche klangen damals ziemlich stattlich.

Heute weiß ich:

Das ist schön – aber sicher noch nicht das Ende der Geschichte.

Der Blog darf mich dabei begleiten.

Aber er darf niemals der Grund werden, warum ich finanziell etwas Dummes tue.

Und was wurde nun aus den 39?

Ich habe tatsächlich nachgesehen.

Nicht ungefähr.

Nicht aus der Erinnerung.

Sondern Aktie für Aktie.

Damals dabeiHeute im Depot?Entwicklung seit Kauf*
Walmart–
Lam Research–
Iron Mountain–
PepsiCo✓−26,6 %
GSK–
TotalEnergies–
Algonquin Power–
STAG Industrial–
Main Street Capital✓+24,2 %
Bank of America–
Oracle–
Cisco–
Bank of Nova Scotia–
JPMorgan Chase–
Watsco–
American Tower–
Deere–
Lowe’s–
Clorox–
AbbVie✓+90,1 %
Procter & Gamble–
Morgan Stanley–
Realty Income✓−6,3 %
Constellation Brands–
Citigroup–
Starbucks–
Visa–
Fastenal✓+57,2 %
Archer Daniels Midland–
Johnson & Johnson✓+53,0 %
IBM✓+48,8 %
Dow–
LyondellBasell✓−7,0 %
Prudential Financial–
Skyworks Solutions–
Stanley Black & Decker–
Qualcomm–
Waste Management–
Sixth Street Specialty Lending✓−22,1 %

* Entwicklung gegenüber dem Einstand laut Depotstand vom 10.10.2026. Erhaltene Dividenden sind darin nicht enthalten.

Neun von 39.

Nicht einmal jeder vierte Titel von damals ist heute noch da.

Und genau deshalb gefällt mir dieser Rückblick.

Denn auch diese neun sind keine hübsche Siegerparade.

AbbVie, Fastenal, Johnson & Johnson und IBM stehen heute deutlich im Plus.

Main Street Capital ebenfalls.

PepsiCo, Realty Income, LyondellBasell und Sixth Street liegen dagegen unter meinem Einstand.

Bei Dividendenaktien erzählt die reine Kursentwicklung allerdings ohnehin nur einen Teil der Geschichte. Schließlich ist über die Jahre auch Geld auf dem Konto angekommen.

Und genau darum soll es beim nächsten Mal gehen.

Aber zurück zu den 39.

30 davon sind heute nicht mehr im Depot.

Nicht jede Entscheidung war richtig.

Nicht jeder Verkauf war falsch.

Und nicht jede Aktie, die heute fehlt, war deshalb automatisch eine schlechte Aktie.

Manchmal habe ich umgeschichtet.

Manchmal brauchte ich das Geld.

Manchmal hat sich meine Meinung geändert.

Und manchmal war eine andere Idee einfach überzeugender.

So sieht ein echtes Depot offenbar aus.

Weniger Masterplan. Mehr Leben.

Wenn ich heute auf diese Liste schaue, denke ich deshalb weniger darüber nach, ob ich damals alles richtig gemacht habe.

Das habe ich natürlich nicht.

Interessanter ist etwas anderes:

Vermögen besteht nicht nur aus Geld. Es besteht aus Entscheidungen.

Aus guten und schlechten.

Aus Kaufen und Verkaufen.

Aus Warten.

Aus Sparen.

Und manchmal auch aus der vernünftigen Entscheidung, gerade einmal gar nichts zu investieren.

Die 13 waren deshalb vielleicht nie wirklich das Ziel.

Sie waren der Anfang davon, bewusster mit Geld umzugehen.

Dass daraus 39 wurden, war ein Teil davon.

Vielleicht ein bisschen Diversifikation.

Vielleicht ein bisschen Neugier.

Und vermutlich auch ein bisschen zu viel Freude daran, noch ein Unternehmen zu finden, das unbedingt ins Depot musste.

Aber genau das ist ja der Punkt dieses Tagebuchs.

Nicht im Nachhinein so zu tun, als hätte es immer einen perfekten Plan gegeben.

Sondern aufzuschreiben, wie sich Entscheidungen tatsächlich entwickelt haben.

Und was ich daraus gelernt habe.

Carl

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